Karlheinz Stockhausen - SPIRAL with Electronium (1968) @SebastianArsAcoustica
Karlheinz Stockhausen - SPIRAL with Electronium (1968)  @SebastianArsAcoustica
Uploaded August 2015 | Updated September 2026, 3 days ago
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Karlheinz Stockhausen – SPIRAL für einen Solisten (1968)
Harald Boje - Elektronium und Kurzwellenempfänger

SPIRAL für einen Solisten ist eine Prozesskomposition von Karlheinz Stockhausen. In dem Werk, das im Stockhausen-Verzeichnis die Nummer 27 trägt, imitiert, transformiert oder transzendiert der Interpret Ereignisse, die er mit einem Kurzwellenempfänger empfängt.

Komposition
Die Komposition entstand im Jahr 1968 im Madison, Connecticut und war zunächst für den Gitarristen Michael Lorimer geplant. Diese Idee wurde jedoch vom Komponisten aufgrund des fehlenden „Enthusiasmus […] bei jedem Akkord, bei jeder Passage die Fingerstellung auszuprobieren“[wieder verworfen. Dem Interpreten steht es daher frei seine Stimme und/oder ein Instrument bzw. mehrere Instrumente zu verwenden.

Nachdem sich Stockhausen von den deterministischen Kompositionstechniken der 1950er Jahre immer weiter entfernte, so dass zunächst die Form der Komposition variabel gestaltet werden konnte, wurde die Rolle des Interpreten in den späten 1960er Jahren immer zentraler. Die sogenannte Prozesskomposition, aus der eine musikalische Darbietung resultiert, deren Verlauf, einhergehend mit der transzendierenden Erfahrung des Interpreten, wichtiger als das verwendete Klangmaterial oder die Aufführungsdauer zu sein vermag, lässt dem ausführenden Musiker in der Ausgestaltung der musikalischen Details einen großzügigen Freiraum, dadurch dass die Reaktion des Interpreten ausschließlich von Anweisungssymbolen in der Partitur vorgegeben wird. Eine konventionelle Notenschrift findet keine Verwendung.

Neben SPIRAL als Solostück sind die Werke KURZWELLEN für sechs Spieler (1968), einem Quartett für Kurwellengeräte und Instrumente, das Duo POLE (1969) und das Trio EXPO (1969) ebenfalls als Prozess mit vergleichbarer Kompositionsstrategie entwickelt worden.

Struktur und Technik
Der Solist kann neben dem Radio ein beliebiges Instrument, mehrere Instrumente, Instrumente und Stimme oder nur die Stimme verwenden. Zur räumlichen Projektion und Verstärkung von Instrument bzw. Stimme und Kurzwellenempfänger werden Mikrofone und min. zwei Lautsprecher benötigt, die von einem Assistenten bedient werden, damit das Verhältnis von Direktklang und Lautsprecherklang musikalisch gestaltet wird. In der Partitur des Werkes wird eine Folge von 206 Ereignissen mit unbestimmter Länge vorgegeben, die durch verschieden lange Pausen getrennt werden und auf die mittels der Prozesskomposition vorgegebenen Anweisungssymbole interagiert wird.

In SPIRAL werden als Anweisungssymbole Plus und Minuszeichen verwendet:
Plus heisst, tue in Beziehung auf das, was du vorher gemacht hast, mehr als vorher.
Minus heisst, beziehe dich auf das, was du vorher gemacht hast, mache dasselbe, aber weniger.

Ein Ereignis, dass entweder gleichzeitig mit Kurzwellenempfänger und Instrument/Stimme oder nur mit Instrument/Stimme realisiert wird, wird mit mehreren übereinander oder nebeneinander stehenden Anweisungssymbolen in der Partitur, vergleichbar mit einem konventionellen Notensystem ohne herkömmliche Notenschrift, festgehalten und durch einen Taktstrich getrennt. Die durch diese Anweisung entstehende Transformation des vorherigen Ereignisses soll dabei durch die Veränderung der Parameter Dauer, Lautstärke und Dichte (Register und Untergliederung) erzeugt werden. Eine Veränderung des Ereignisses kann sich auch explizit auf einen Parameter beziehen.

Aufführung
Während der Weltausstellung EXPO 1970 in Osaka, Japan gehörte SPIRAL neben anderen Kompositionen Stockhausens zum festen Repertoire im Kugelauditorium des deutschen Pavillons und wurde in dem Zeitraum vom 14. März bis zum 14. September mehr als 1300 mal vor mehr als einer Million Menschen aufgeführt.

Literatur:
Stockhausen, Karlheinz: „Spiral“ in: Einführungen und Projekte, Kurse, Sendungen, Standpunkte, Nebennoten = Texte zur Musik 1963 – 1970, Bd. 3, hrsg. von Dieter Schnebel, Köln 1971, S. 135-141.

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Karlheinz Stockhausen - SPIRAL with Electronium (1968)

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