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8. Oktober 2002 - Live aus dem Kulturpalast, Dresden
Reinhard Mey - Weisst Du Noch, Etienne
Weisst du noch, Etienne
Wie ich in deinem Zimmer stand
Den winzigen Koffer in der Hand
Der meine ganze Habe barg
Mit einem Gürtel meines Vaters zugezurrt
Unter der schäbigen Pappehaut
Hatt ich meine Kleider verstaut
All meine Schätze, mein Zuhaus
Ich stellte ihn aufs Bett und öffnete den Gurt
Etienne, ich war vor Heimweh krank
Und als das Kofferschloss aufsprang
Sprang auch der Ring um meine Kehle
Und die Tränen schossen heiss mir ins Gesicht
Der Junge aus dem andern Land
Der meine Sprache kaum verstand
Half mir beim Auspacken und lächelte
Und tat, als merkte er mein Weinen nicht
Etienne, was wäre, wenn...
Etienne, was wäre, wenn...
Weisst du noch, Etienne
Wie streunten wir um euer Dorf
Die Nägel schwarz, die Knie voll Schorf
Ich mehr dein Bruder als ein Gast
Für einen Sommer nur in deinem Elternhaus
Und alles, was verboten war
Alles, was Ärger brachte, klar
War unser Ding, mit jeder Strafe mehr
Wuchsen wir erst recht über uns hinaus
Nein, Strafen kümmerten uns nie
Uns kümmerten nur die "Zizis"
Die wir verglichen im Gebüsch
Hinter der Schleuse gleich bei dem verfallenen Haus
Und für drei Kaugummis, ein Bier
Zwei Zigaretten liessen wir
Schon mal die Dorfjugend zusehen
Und ernteten ungläubiges Staunen und Applaus
Etienne, was wäre, wenn...
Etienne, was wäre, wenn...
Weisst du noch, Etienne
Du konntest mit der blossen Hand
Forellen fangen, und ich stand
Bewundernd neben dir im Bach
Und einmal haben wir dort den Bäcker mit der dicken Yvonne
Ertappt in ihrem Liebesnest
Und einen Sommer lang erpresst
Croissants und Schnecken, bitte sehr
Und dann erfährt Madame Chapuis auch nichts davon
Und dann, dann war Maryse da
Maryse, Maryse, wenn ich sie sah
Wie sich mein Herz zusammenzog
Maryse, die Schönste zwischen Privas und Le Puy
Manchmal glaubt ich, jetzt sieht sie mich
Aber ich ahnte, sie sah dich
Mit diesem strahlenden Blick
Und du flüstertest, im nächsten Sommer küss ich sie
Etienne, was wäre, wenn...
Etienne, was wäre, wenn...
Was wäre, wenn, ja, was wär, wenn
Die Zeit nur einen Wimpernschlag
Innegehalten hätte, wenn wir nur an diesem Vormittag
Ein Räkeln lang getrödelt hätten in den Betten
Unseren Stubenarrest abgebummelt hätten
Hätten wir noch in dem verbotenen Heft geblättert
Hätte der Hauswart nur drei Worte mehr gewettert
Hätt ich ein Fussballbild am Strassenrand gefunden
Hätt ich mein Schuhband nur noch einmal zugebunden
Dann wärs vorbeigefahren an uns
Das gottverdammte Motorrad
Das alle Träume, alle Pläne, alles Lachen
Totgefahren hat
Du bist da, Etienne
Du bist noch immer 13 Jahr
Hast noch dein schönes, schwarzes Haar
Und deine dunklen Augenbrauen
Und ich bin alt geworden, Etienne, alt und grau
Man schliesst nur weg, man vergisst nichts
Und jeden Zug deines Gesichts
Seh ich klar wie an jenem Tag
Jede Bewegung Bild für Bild nur zu genau
Heut nacht bin ich in deinem Land
Und trink, den Blick zur Sternenwand
Gelenkt, dies Glas auf dich
Und mir gefällt die Vorstellung, dass du dort irgendwo
Auf mich herabsiehst aus der Ferne
Von irgendwo, jenseits der Sterne
A la tienne, Etienne, ich denk an dich
Machs gut, bis irgendwann und
A bientôt!
***
Was für ein Text, was für ein Lied, was für eine Interpretation!
Zizi = franz. für "Schniedel" (Kindersprache)
Privas und Le Puy(-en-Velay) = 2 Kleinstädte südl. von Lyon
A la tienne = Auf dein Wohl
A bientôt = Bis bald
8. Oktober 2002 - Live aus dem Kulturpalast, Dresden
Reinhard Mey - Weisst Du Noch, Etienne
Weisst du noch, Etienne
Wie ich in deinem Zimmer stand
Den winzigen Koffer in der Hand
Der meine ganze Habe barg
Mit einem Gürtel meines Vaters zugezurrt
Unter der schäbigen Pappehaut
Hatt ich meine Kleider verstaut
All meine Schätze, mein Zuhaus
Ich stellte ihn aufs Bett und öffnete den Gurt
Etienne, ich war vor Heimweh krank
Und als das Kofferschloss aufsprang
Sprang auch der Ring um meine Kehle
Und die Tränen schossen heiss mir ins Gesicht
Der Junge aus dem andern Land
Der meine Sprache kaum verstand
Half mir beim Auspacken und lächelte
Und tat, als merkte er mein Weinen nicht
Etienne, was wäre, wenn...
Etienne, was wäre, wenn...
Weisst du noch, Etienne
Wie streunten wir um euer Dorf
Die Nägel schwarz, die Knie voll Schorf
Ich mehr dein Bruder als ein Gast
Für einen Sommer nur in deinem Elternhaus
Und alles, was verboten war
Alles, was Ärger brachte, klar
War unser Ding, mit jeder Strafe mehr
Wuchsen wir erst recht über uns hinaus
Nein, Strafen kümmerten uns nie
Uns kümmerten nur die "Zizis"
Die wir verglichen im Gebüsch
Hinter der Schleuse gleich bei dem verfallenen Haus
Und für drei Kaugummis, ein Bier
Zwei Zigaretten liessen wir
Schon mal die Dorfjugend zusehen
Und ernteten ungläubiges Staunen und Applaus
Etienne, was wäre, wenn...
Etienne, was wäre, wenn...
Weisst du noch, Etienne
Du konntest mit der blossen Hand
Forellen fangen, und ich stand
Bewundernd neben dir im Bach
Und einmal haben wir dort den Bäcker mit der dicken Yvonne
Ertappt in ihrem Liebesnest
Und einen Sommer lang erpresst
Croissants und Schnecken, bitte sehr
Und dann erfährt Madame Chapuis auch nichts davon
Und dann, dann war Maryse da
Maryse, Maryse, wenn ich sie sah
Wie sich mein Herz zusammenzog
Maryse, die Schönste zwischen Privas und Le Puy
Manchmal glaubt ich, jetzt sieht sie mich
Aber ich ahnte, sie sah dich
Mit diesem strahlenden Blick
Und du flüstertest, im nächsten Sommer küss ich sie
Etienne, was wäre, wenn...
Etienne, was wäre, wenn...
Was wäre, wenn, ja, was wär, wenn
Die Zeit nur einen Wimpernschlag
Innegehalten hätte, wenn wir nur an diesem Vormittag
Ein Räkeln lang getrödelt hätten in den Betten
Unseren Stubenarrest abgebummelt hätten
Hätten wir noch in dem verbotenen Heft geblättert
Hätte der Hauswart nur drei Worte mehr gewettert
Hätt ich ein Fussballbild am Strassenrand gefunden
Hätt ich mein Schuhband nur noch einmal zugebunden
Dann wärs vorbeigefahren an uns
Das gottverdammte Motorrad
Das alle Träume, alle Pläne, alles Lachen
Totgefahren hat
Du bist da, Etienne
Du bist noch immer 13 Jahr
Hast noch dein schönes, schwarzes Haar
Und deine dunklen Augenbrauen
Und ich bin alt geworden, Etienne, alt und grau
Man schliesst nur weg, man vergisst nichts
Und jeden Zug deines Gesichts
Seh ich klar wie an jenem Tag
Jede Bewegung Bild für Bild nur zu genau
Heut nacht bin ich in deinem Land
Und trink, den Blick zur Sternenwand
Gelenkt, dies Glas auf dich
Und mir gefällt die Vorstellung, dass du dort irgendwo
Auf mich herabsiehst aus der Ferne
Von irgendwo, jenseits der Sterne
A la tienne, Etienne, ich denk an dich
Machs gut, bis irgendwann und
A bientôt!
***
Was für ein Text, was für ein Lied, was für eine Interpretation!
Zizi = franz. für "Schniedel" (Kindersprache)
Privas und Le Puy(-en-Velay) = 2 Kleinstädte südl. von Lyon
A la tienne = Auf dein Wohl
A bientôt = Bis bald










