Ludger Brümmer - Inferno der Stille (2000) @SebastianArsAcoustica
Ludger Brümmer - Inferno der Stille (2000)  @SebastianArsAcoustica
Uploaded October 2013 | Updated September 2026, 1 day ago
Für 8 Kanal Tonband 23'29''.

Das Werk Inferno der Stille ist aufgrund eines Auftrages des Leiters des elektronischen Studios der TU Berlin, Folkmar Hein, am Zentrum für Kunst und Medientechnologie entstanden. Es stellt mit seiner 8 kanaligen Variante, 48 Khz Sampling Rate und 24 - bit Auflösung das technisch aufwändigste Werk meines Schaffens dar. Die Klänge wurden direkt in ein 8 kanaliges Format synthetisiert, sodass sich schon kleinste Klangpartikel in einer differenzierten räumlichen Auflösung präsentieren können.
Bei stark granulierten bzw. zerstückelten Klangstrukturen hat die direkte Synthese in ein 8 - Kanal Format einen Raumeffekt zur Folge, der durch die unterschiedliche Positionierung der Klangpartikel entsteht, die als multiple Reflexionen der fiktiven Raumwand wirken.

Hierbei wird jedes Grain als einzelnes Event mit allen Parametern wie Tonhöhe, Dauer, Lautstärke und Envelope bestimmt. Neben den genannten Parametern wird ebenfalls die Position jedes einzelnen Klangpartikels im Raum definiert. Da es sich um eine große Anzahl von Partikeln handelt, wird der algorithmisch definierte Kontext der Partikelposition im Raum bedeutend. Eine Aneinanderreihung der Partikel ergibt z.B. einen Kreis, eine Verteilung in einem bestimmten Bereich eine große oder kleine Partikelwolke, die Partikel können sogar mehrere kleine Figuren in den Raum zeichnen.

Die benutzten Klangpartikel entstammen dem Introitus von Mozart´s Requiem und einigen wenigen mit physikalischen Modellen entwickelten Metallklängen (benutzte Software: Genesis, entwickelt von ACROE-CLIPS, Grenoble), die mit rekursiven Methoden zu komplexeren Strukturen verdichtet sind. Dabei werden Klangpartikel mit einem bestimmten Algorithmus in Tonhöhe, Dauer und Zeitstruktur angeordnet und in ein Soundfile geschrieben. Der resultierende File dient im nächsten Arbeitsgang als Quelle für den vorher bentutzen Algorithmus, nur dass die Klangquelle dieses Prozesses das Ergebnis des letzten Arbeitschrittes darstellt. Hieraus entstehen Klangstrukturen mit stark selbstähnlichen Gestalten, aus der sich eine entweder verdichtende oder ausdünnende Kanonstruktur entwickelt. Der Kanon wird sehr deutlich, wenn der benutzte Klangpartikel lang genug ist und dadurch vom Hörer identifiziert werden kann. Es entstehen mehr oder weniger dichte harmonische Felder, die in eine Interaktion mit dem Sample selber treten. Gestalten erklingen, die eindeutig dem Requiem entstammen, sich aber in völlig anderem Kontext befinden.

Die erneuernde und verwandelnde Wirkung der benutzten Algorithmen auf die Klanggestalten Mozarts entwickelte sich im Verlauf des Komponierens sehr beeindruckend, da die Gestalten vexierend zwischen dem Requiem und dem neuen algorithmischen Kontext hin- und hergehört werden können. Das Fragmentieren der Klangpartikel glich dabei einem Ausleuchten oder Vergrössern, das die Wirkung des Introitus in Gedanken einerseits verstärkte und andererseits erneuerte. Das Material begann eine eigene Aura zu entwickeln und aus dem Requiem hinauszuwachsen.
Diese Arbeit mit dem Requiem würde ich mit der Tätigkeit eines Bildhauers vergleichen. Der Stein mit seinen Materialeigenschaften, Einschlüssen und seiner Grundform entspricht dem Introitus, während es meine Arbeit war, in einer Art Dialog zwischen dem Material und den eigenen Ideen, eine neue Gestalt aus dem Vorhandenen zu schaffen.
(Ludger Brümmer)
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Sebastian Ars Acoustica |

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