Uploaded June 2011 | Updated September 2026, 4 days ago
Der Zyklus Glühende Rätsel nach Gedichten von Nelly Sachs wurde während der Donaueschinger Musiktage 1964 mit Jeanne Deroubaix (Alt) und dem "Ensemble du Domaine musical" unter der Leitung von Pierre Boulez uraufgeführt. Das Werk (für Altstimme, Flöte, Bratsche, Bassklarinette - Kontrabassklarinette -, Becken, Harfe, Celesta und Schlagzeug), Auftrag des Südwestfunks, ist NeIly Sachs gewidmet.
Nelly Sachs (1891-1970) zählt zu den wichtigsten Dichterpersönlichtkeiten deutscher Sprache. Sie wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und fand Zuflucht in Stockholm. 1966 erhielt sie den Nobelpreis.
Nachdem ich lange Zeit an einem szenischen Werk zu einem ihrer Texte:
Der magische Tänzer (für Chor und mehrere Orchestergruppen) gearbeitet hatte, wollte ich die während dieser Arbeit gemachten Erfahrungen kondensieren und kristallisieren. Gleichzeitig habe ich versucht, meine Sprache hinsichtlich der Form, des Ausdrucks und der Farbe zu differenzieren.
Glühende Rätsel ist ein Werk in fünf Teilen. Von 1 bis III werden die strukturierten Elemente, sehr klar voneinander abgesetzt, vorgeführt. IV nimmt die Strukturarten der beiden vorhergehenden Sätze wieder auf (und kehrt deren Anordnung um). Gleichzeitig entwickelt sich die Schreibweise der Dauer zum Unbestimmten hin und lässt den Interpreten einen größeren Spielraum in der Besetzung. Der Teil V, selbst in fünf Perioden unterteilt, fasst alle vor-hergehenden.Teile zusammen und entwickelt sie. Die innere Thematik des Werkes Glühende Rätsel ähnelt derjenigen meiner ersten Kompositionen von Kammermusik, zum Beispiel Erde und Himmel und Elis; jedoch im Vergleich zu diesen Werken zeigt Glühende Rätsel eine größere Beweglichkeit in der Behandlung des musikalischen Materials und eine betontere Differenzierung der klanglichen und formalen Bereiche. Beim Komponieren dieses Werkes habe ich die Wirkungen durch zahlreiche Schichten zwischen Wort und Ton und ihre gegenseitigen Einflüsse aufeinander bevorzugt. Dies hat mich zu neuen Lösungen für meine Komposition geführt.
-Heinz Holliger"
Schon der Vokalzyklus Glühende Rätsel nach Nelly Sachs (1964) ist keine Adaption des Marteau-Modells. Der dort praktizierten positiven zyklischen Wucherung setzt Holliger das Prinzip einer letalen Synthese entgegen. In Glühende Rätsel, die Holliger einmal als «Totenbuch in fünf Stationen» bezeichnet hat, werden verschiedene Deklamationsarten, Klangtypen und vor allem Zeitebenen in vier Liedern aufgestellt, um sich im finalen fünften bis zur Auflösung zu durchdringen. Hier liefert das letzte Stück nicht «die Lösung, den Schlüssel zu diesem Labyrinth», wie Pierre Boulez es in der zyklischen Anlage seines Marteau sans Ma"tre (1956) beabsichtigt hatte, sondern ist Endpunkt einer negativen Zyklik, eines «Kreuzweg[s], der bis zur Auflösung führt». Gestische Valeurs, die über rigorose frühserielle Automatismen bezogen werden, besitzen in dieser Musik die Konnotation einer Zwangshandlung. Entsprechend hat Holliger den marionettenhaften Protagonisten seines Bühnenwerks Der magische Tänzer (1963/65), ebenfalls nach Nelly Sachs, in ein «Boulezsches» Klangkostüm gesteckt.Nelly Sachs war Schreiben "Mittel, den Atem vor dem Ersticken zu retten". Ihre Gedichte sprechen sich einem unauflösbar anderen Du zu, suchen Begegnung im unverfügbaren Zwischenraum. Gegenüber Heinz Holliger wünscht sich Nelly Sachs "den Text als Haltestelle und dann der lange Atem der Musik u. Gebärde" Musik als das Andere des Textes, als "Ausatmung" des Wortes, über das Gesagte hinaus an die Wurzeln des Sagens zu reichen. Auch Holliger glaubt "nicht mehr an die Eigenständigkeit des Materials", kann nicht mehr auf ein "Repertoire von Symbolen" zurückgreifen. Für ihn finden "Wort und Musik an den Grenzen (wenn nicht gar jenseits der Grenzen) zueinander." Er löst die "Rätsel" nicht, sondern wahrt sie mit musikalischen Mitteln. Interdisziplinär angelegt, fragt die Studie nach einem grundlegend dialogischen Methodenbegriff, der Lyrik und Musik je und je gerecht zu werden vermag. Die analytischen Befunde werden u.a. gestützt durch Forschungen im Stockholmer Nachlass der Dichterin, Sichtung ihrer Korrespondenz sowie durch Auswertung der Basler Kompositionsskizzen von Heinz Holliger.
Der Zyklus Glühende Rätsel nach Gedichten von Nelly Sachs wurde während der Donaueschinger Musiktage 1964 mit Jeanne Deroubaix (Alt) und dem "Ensemble du Domaine musical" unter der Leitung von Pierre Boulez uraufgeführt. Das Werk (für Altstimme, Flöte, Bratsche, Bassklarinette - Kontrabassklarinette -, Becken, Harfe, Celesta und Schlagzeug), Auftrag des Südwestfunks, ist NeIly Sachs gewidmet.
Nelly Sachs (1891-1970) zählt zu den wichtigsten Dichterpersönlichtkeiten deutscher Sprache. Sie wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und fand Zuflucht in Stockholm. 1966 erhielt sie den Nobelpreis.
Nachdem ich lange Zeit an einem szenischen Werk zu einem ihrer Texte:
Der magische Tänzer (für Chor und mehrere Orchestergruppen) gearbeitet hatte, wollte ich die während dieser Arbeit gemachten Erfahrungen kondensieren und kristallisieren. Gleichzeitig habe ich versucht, meine Sprache hinsichtlich der Form, des Ausdrucks und der Farbe zu differenzieren.
Glühende Rätsel ist ein Werk in fünf Teilen. Von 1 bis III werden die strukturierten Elemente, sehr klar voneinander abgesetzt, vorgeführt. IV nimmt die Strukturarten der beiden vorhergehenden Sätze wieder auf (und kehrt deren Anordnung um). Gleichzeitig entwickelt sich die Schreibweise der Dauer zum Unbestimmten hin und lässt den Interpreten einen größeren Spielraum in der Besetzung. Der Teil V, selbst in fünf Perioden unterteilt, fasst alle vor-hergehenden.Teile zusammen und entwickelt sie. Die innere Thematik des Werkes Glühende Rätsel ähnelt derjenigen meiner ersten Kompositionen von Kammermusik, zum Beispiel Erde und Himmel und Elis; jedoch im Vergleich zu diesen Werken zeigt Glühende Rätsel eine größere Beweglichkeit in der Behandlung des musikalischen Materials und eine betontere Differenzierung der klanglichen und formalen Bereiche. Beim Komponieren dieses Werkes habe ich die Wirkungen durch zahlreiche Schichten zwischen Wort und Ton und ihre gegenseitigen Einflüsse aufeinander bevorzugt. Dies hat mich zu neuen Lösungen für meine Komposition geführt.
-Heinz Holliger"
Schon der Vokalzyklus Glühende Rätsel nach Nelly Sachs (1964) ist keine Adaption des Marteau-Modells. Der dort praktizierten positiven zyklischen Wucherung setzt Holliger das Prinzip einer letalen Synthese entgegen. In Glühende Rätsel, die Holliger einmal als «Totenbuch in fünf Stationen» bezeichnet hat, werden verschiedene Deklamationsarten, Klangtypen und vor allem Zeitebenen in vier Liedern aufgestellt, um sich im finalen fünften bis zur Auflösung zu durchdringen. Hier liefert das letzte Stück nicht «die Lösung, den Schlüssel zu diesem Labyrinth», wie Pierre Boulez es in der zyklischen Anlage seines Marteau sans Ma"tre (1956) beabsichtigt hatte, sondern ist Endpunkt einer negativen Zyklik, eines «Kreuzweg[s], der bis zur Auflösung führt». Gestische Valeurs, die über rigorose frühserielle Automatismen bezogen werden, besitzen in dieser Musik die Konnotation einer Zwangshandlung. Entsprechend hat Holliger den marionettenhaften Protagonisten seines Bühnenwerks Der magische Tänzer (1963/65), ebenfalls nach Nelly Sachs, in ein «Boulezsches» Klangkostüm gesteckt.Nelly Sachs war Schreiben "Mittel, den Atem vor dem Ersticken zu retten". Ihre Gedichte sprechen sich einem unauflösbar anderen Du zu, suchen Begegnung im unverfügbaren Zwischenraum. Gegenüber Heinz Holliger wünscht sich Nelly Sachs "den Text als Haltestelle und dann der lange Atem der Musik u. Gebärde" Musik als das Andere des Textes, als "Ausatmung" des Wortes, über das Gesagte hinaus an die Wurzeln des Sagens zu reichen. Auch Holliger glaubt "nicht mehr an die Eigenständigkeit des Materials", kann nicht mehr auf ein "Repertoire von Symbolen" zurückgreifen. Für ihn finden "Wort und Musik an den Grenzen (wenn nicht gar jenseits der Grenzen) zueinander." Er löst die "Rätsel" nicht, sondern wahrt sie mit musikalischen Mitteln. Interdisziplinär angelegt, fragt die Studie nach einem grundlegend dialogischen Methodenbegriff, der Lyrik und Musik je und je gerecht zu werden vermag. Die analytischen Befunde werden u.a. gestützt durch Forschungen im Stockholmer Nachlass der Dichterin, Sichtung ihrer Korrespondenz sowie durch Auswertung der Basler Kompositionsskizzen von Heinz Holliger.

![Randolph Pitts, Sonata for Cello & Piano [1/3]
The Sonata for Cello & Piano was composed in 2010 and was dedicated to the composers fiancée. The work is one one movement. This is the first of three parts (video divided due to YouTube upload restrictions at that time). Randolph Pitts, Sonata for Cello & Piano [1/3]](https://i.ytimg.com/vi/uhiLnmqsky8/mqdefault.jpg)





![Wallingford Riegger, Dichotomy, Part 1 of 2.mpg
Given the paucity of other sources, it seems likely that Wallingford Riegger learned much of what he knew of the twelve-tone method from his personal contact with Adolph Weiss. Riegger was already composing rugged, dissonant, atonal music in what was emerging as a shared ultramodern style, but he became increasingly interested in the possibilities of the twelve-tone method. In 1932, he completed his first piece that can reasonably be described as twelve-tone in significant respects (Dichotomy), and thereafter most of his instrumental music was serial at least in part.14
Dichotomy uses two series. In the published score, Riegger labels them A and B and identifies their occurrences and transformations (inversion, retrograde, retrograde-inversion) in the score (see Example 1.4).15 Series A contains eleven of the twelve notes (F is excluded). Series B contains thirteen notes (F♯ and B are excluded; F, G, and A are each stated twice). The last three notes of Series A (G, G♯, and A) return as the first three of Series B the two series otherwise share no segments. What they do share, however, are some of the characteristics of ultramodern melody: variety of interval and pitch (the latter, of course, endemic to serialism) and an avoidance of triadic outline or implication.
In the passage shown in Example 1.5, there are two distinct musical streams, one serial and the other not. Within the serial stream, we hear an ongoing duet, pitting either Series A or B against its own inversion. These are driving, craggy, widely spaced melodic lines. In the opening of the passage, Series B, played by the lower strings and bassoon, is heard against its inversion at T9I, played in the upper woodwinds. The two melodies are mirror images of each other in register this is a pitch, not a pitch-class inversion. Subsequently, the T1 transposition of A (in retrograde) is heard against the T9I inversion of A (also in retrograde). Again, the contours of the two melodies are largely mirror images, although this breaks down at the end of the passage, when each melody ruminates on its concluding four or five notes. Throughout these duets, and throughout the piece, Riegger maintains a concrete conception of the series as an actual melody with a specific contour. When the series is transposed or transformed (via inversion and or retrograde), its rhythms may change, but its registral shape generally remains the same. For Riegger, a series was primarily a line of pitches (not pitch classes), an actual melody with a determinate contour.
In the passage in Example 1.5, there is a second, non-serial stream. It consists of pairs of four- or six-note chords. These chords, sometimes preceded by ascending scales in parallel major sevenths, punctuate the passage, dividing the serial duet into discrete phrases. The chords are also extended into the driving rhythmic ostinato that runs through most of the passage. The resulting musical texture is about as far removed from Schoenbergs (and Weisss) neo-Baroque dances as possible, showing a much greater aesthetic kinship with works like Stravinskys Rite of Spring and Bartóks Allegro Barbaro. Apparently Riegger understood right from the beginning that the serial approach is not wedded to any specific style or texture; rather, it is a way of thinking about and organizing tones related only to one another (not to a tonic), permitting many different kinds of musical realizations.
The chords are identified with numbers in the score in Example 1.5. The first chord is a segment of the chromatic scale (which Riegger would have understood and described as a cluster chord) arranged as two whole tones a minor ninth apart. The first chord is then transposed up a semitone to produce the second chord. Taking the first two chords together, we have a five-note segment of the chromatic scale: C♯DD♯EF. The third and fourth chords transpose the first and second up by a perfect fourth (but not in register), producing another, non-overlapping segment of the chromatic scale: F♯GG♯AB♭. The fifth chord repeats the notes of the third chord, adjoining to them the lower whole tone of the first chord. The sixth chord transposes the fifth chord up by a semitone, and thus consists of the content of the fourth chord to which the lower whole tone of the second chord has been adjoined. The fifth and sixth chords together thus project almost the entire chromatic aggregate (only B, C, and F are missing). The chordal stream in this passage thus involves the dissonant major seventh (or minor ninth) as a harmonic interval and a preference for verticalized segments of the chromatic scale.
[Joseph N. Strauss] Wallingford Riegger, Dichotomy, Part 1 of 2.mpg](https://i.ytimg.com/vi/vrU3LTGM0Mo/mqdefault.jpg)

![Henri Pousseur, Madrigal III (Boulez, Domaine Ensemble) - Part 2
Madrigal III for clarinet, violin, cello, 2 percussion instruments and piano was composed in the spring of 1962 and dedicated to the memory of Wolfgang Steinecke, since 1945 founder and daring promoter of the Darmstadt Festival.
This work comprises almost all of Madrigal I, written four years earlier for clarinet solo. For Pouseeur, the earlier work represented a first and almost unconscious attempt to reactivate the harmonic values that post-Webernian music had almost completely neutralized. Pousseur made a more resolute attempt in this direction in Votre Faust. In Madrigal III, this reactivation is still dependent on dodecaphonic material, and crystallizes around a process of frequent and variable repetition of the constituent notes of an harmonic field.
The work excludes all mobile forms, yet benefits from a supple and fluctuating performance. While notes are clearly set forth, other aspects of the music (duration of pauses, intensity and attacks) are relaxed and permit a certain amount of liberty. Synchronization, speed, silences or dynamic evolution thus result partly from the performers reactions, which can be individual and isolated or contrarily, dependent on the reactions of other musicians.
Above notes by Jean-Claude Eloy
In 1945 Pierre Boulez won a first prize in harmony. He was twenty then, and suddently made the discovery that was to affect the whold of his musical life: the [second] Vienna School of Schoenberg, Berg and Webern. It was a revelation, he relates, I had a passionate urge to learn all about that music, to know how it was made. There were violent discussions then and the music of the [second] Vienna School was called mathematical recipes. But I realized that this was the music for our time, a language with unlimited possibilities for evolution. No other language was possible. It was the most radical revolution since Monteverdi. Suddenly all our familiar notions were abolished. Music moved out of the world of Newton and into the world of Einstein. The tonal idea was based on a universe defined by gravity and attraction: the serial idea, on a universe in perpetual expansion.
[Please accept our profuse apologies for the chthonic sound quality of this 1960s LP.] Henri Pousseur, Madrigal III (Boulez, Domaine Ensemble) - Part 2](https://i.ytimg.com/vi/wBUniWI1GTQ/mqdefault.jpg)
![Peri Mauer, AFTERWORDS.mpg
AFTERWORDS for clarinet, cello, and piano
PERI MAUER-Composer
Gilad Harel, clarinet
Steve Beck, piano
Alistar MacRae, cello
AFTERWORDS was composed in 2007, and recorded that same year at Juilliard.
In loving memory of my father, Arnold Mauer, April 5, 1919-March 9, 2006. Peri Mauer
[Video by Randolph Pitts] Peri Mauer, AFTERWORDS.mpg](https://i.ytimg.com/vi/wF1nSelBBCc/mqdefault.jpg)